ERFAHRUNGSBERICHTE zur Aus- und Fortbildung Grundlagen der Tanzpädagogik

August 2017, von Annika, Andrea, Ute und Angela

Die Grundlagen der Tanzpädagogik 2017 - ein spannendes, buntes und unvergessliches Tanzjahr. Beginnend mit dem Info- und Entscheidungswochenende im Februar gab es das Jahr hindurch fast jeden Monat ein intensives Tanzwochenende, bei dem Körper und Seele auf immer unterschiedliche Weisen bedacht, bewegt und betanzt wurden. Besonders eindrucksvoll ist...

... bei mir der Tanz in und um die Akademie Mont-Cenis im Zuge der Sommertanzwoche im Körper geblieben.
Es ist eine ganz wundervolle und einmalige Erfahrung, gemeinsam im Sommerwind, mitten im Ruhrgebiet auf einem alten Zechengelände zu atmen und zu tanzen oder das sehr schöne und eindrucksvolle Gebäude der Akademie Mont-Cenis mit allen Sinnen (außer dem Sehsinn) zu erfahren.

Neben den intensiven individuellen Tanzmomenten ist auch das Zusammenwachsen der Gruppe ein tolles Erlebnis der Grundlagenausbildung.
Die gemeinsam erlebten Momente und Wochenenden mit zum Teil so unterschiedlichen Menschen sind eine ganz besondere und bereichernde Erfahrung, die mich sicherlich noch lange begleiten wird. Die Energie des gemeinsamen Tanzens und die dort entstehende Verbindung zwischen den Tanzenden ist eben ganz und gar unvergleichlich.
In diesem Sinne kann ich nur 1000 mal Danke sagen, für diese tolle und so aussergewöhnliche Erfahrung!

Annika


Tanzkunst & Freiheit - Grundlagen TP
Ein spannendes Jahr im Kreise wunderbarer, sehr unterschiedlicher Menschen, die eines vereinte: Die Begeisterung und Leidenschaft für die Kunstform TANZ. Unter professioneller Leitung, jenseits von Drill und Leistungsdruck immer mit Fokus auf Freiheit und Selbstverantwortlichkeit (gute humanistische Schule!) wurde aus meinem anfänglichen Zögern in Bezug auf das eigene Anleiten einer Gruppe zum Ende der Ausbildung ein klaren JA, ich möchte es ausprobieren. Es gab kein MUSS, es war alles ein KANN! Besondere Freude gemacht hat mir die Vorbereitung der eigenen Anleitung im Bereich TanzImprovisation. Aus einer Vielzahl von Möglichkeiten, die wir in dem Grundlagenjahr kennengelernt haben, etwas auszuwählen, zu einem kleinen Konzept zusammenzustellen, und es dann noch auszuprobieren mit den Tänzern und Tännzerinnen, das war schon eine tolle Erfahrung. Gerne mehr davon. Und danke an das tolle qualifizierte, achtsame Team und all die wundervollen Menschen die mir begegnet sind.

Andrea


Ich bin viel beweglicher geworden und
meine Bewusstheit für Körperverbindungen und Zusammenhänge im Körper hat zugenommen.
Die verschiedenen Aspekte von Tanzimprovisation in einem vertrauensvollen Rahmen zu erfahren, auszuprobieren und damit zu spielen läßt für mich neue Möglichkeiten der Entfaltung entstehen...
Eine echte Bereicherung für mein Leben.

Ute


Mein Grundlagen der Tanzpädagogik- Kurs war für mich
als 56jähriger Tanz-Neuling eine ganz bereichernde Erfahrung, die mich wirklich eingeführt hat in die aufregende Welt des Tanzes.
Ich hatte eher schlechte und frustrierende Erinnerungen an den Tanzkurs der Schulzeit und bin so überrascht, dass ich durchaus mit Spass Tanzschritte lernen kann und sogar ganze Choreographien mitentwickeln und mittanzen kann.
Es hat so viel Freude gemacht und war und ist eine spannende Entdeckungsreise, nicht nur in die Welt des Tanzes, sondern auch zu mir völlig neuen Seiten meiner Persönlichkeit.
Wie die Reise weitergeht, läßt sich noch nicht absehen, aber dass sie weitergeht ist gar keine Frage...,
Lasst es Euch nicht entgehen...

Angela


FREE MOVEMENT EXPRESSION –awareness in silence and dance

10.01.2016, von Antje Röckemann

The Method of “Creativ Dance”, pausing and awareness in “Haus Villigst” (Schwerte/Germany)

A dance weekend during the 4th Advent before the relative stressful Christmas days - a brilliant idea. That is what I thought and 15 other dance enthusiasts as well, so we had the maximum number of participants.
In “Haus Villigst” we had a large space to move fast and ...

... slowly, powerfully and cautiously, alone and together. Now, a few weeks later, I remember most of all the many breaks, the creative pauses, the stops, the repeated sensing of what is now. Gabriela motivated us to ask ourselves with our whole body, our whole being: Where am I in this moment? Where do I stand, and how, in which position? How is my contact with the ground, with the space, with the other dancers? How do I feel, how do I breathe?
These pausing moments gave creative impulses for new movements in dance. Often this was experienced in dialogue, in the interplay between two or more dancers. One person danced, a second dancer watched with the whole body. The energy of the first dancer than was felt and taken up and expressed in one’s own personal manner and pursued.
Most of this happened without music, which we realized very often only afterwards.
The music was not missed, rather the “missing” music gave the frame to express one’s very own in the dance. And this was done, as Gabriela promised in her advertising, without any pressure to be especially creative.
Nonetheless, I myself realized, that the creative pauses and the “missing” music supported me in finding my own and new forms in movement. And both these elements, Gabriela explained, are typically for the work of Barbara Mettler.
And typically for Gabriela was the way how she combined dance teaching with meditative and awareness exercises, very suitably for the advent season.
We moved from dancing to these longer meditative breaks – lying or sitting – and used this experience to come again into dance.
The resting periods of the house (siesta time) fitted in wonderfully.

After three days we danced home very relaxed – and hope for a follow-up.


TAUSEND TANZENDE SONNEN

10.01.2014, von Laura Strack

Die Kindertanzpädagogin Michaela Koenen-Welles im Gespräch mit Laura Strack
Laura Strack: Michaela, inwiefern ist das Tanzen mit Kindern wie Du sagst, eine der schwierigsten Herausforderung der tanzpädagogischen Arbeit?

Michaela Koenen-Welles: Kinder sind sehr spontan in ihren Reaktionen. Wenn sie etwas doof finden, sagen sie das auch oder machen einfach nicht mit. Man muss unglaublich spontan und schnell reagieren, sich sehr schnell auf neue Situationen einstellen können. Kinder haben viel unmittelbarere Reaktionen als Erwachsene...

Manchmal kommen sie herein und sagen: „Heute möchte ich das und das und das und das machen.“ Und dann muss ich überlegen: „Lasse ich mich darauf jetzt ein?“ Wenn ja, muss ich ja sehr schnell reagieren und außerdem eine entsprechende Umsetzung parat haben.

Laura Strack: Das heißt, für die tanzpädagogische Arbeit mit Kindern braucht man einerseits Flexibilität und andererseits eine gewisse Großzügigkeit, die eigenen Pläne und Ideen auch einmal nach hinten stellen zu können...

Michaela Koenen-Welles: Ja. Aber man muss natürlich auch aufpassen. Für mich ist es ebenso wichtig, mich nicht immer darauf einzulassen. Sonst bestimme am Ende nicht mehr ich den Unterricht, sondern die Kinder. Das ist auch nicht richtig. Deswegen versuche ich stets, mir die Kinder im Einzelnen sehr genau anzugucken. Sie sind so unterschiedlich. In noch viel stärkerem Maße als Erwachsene tragen sie ihre eigene Persönlichkeit vor sich her. Für mich stellt sich immer die Frage: Wie packe ich alle zusammen? Wie finde ich etwas, das alle begeistert: jene, die eher feine, sanfte Sachen machen möchten, ebenso wie jene, die lieber explosive Dinge tun. Alle sollen zu ihrem Recht kommen. Ich muss versuchen, alle Kinder mit ins Boot zu holen, denn ich möchte keines von ihnen verlieren. Ich möchte die unterschiedlichen Individualitäten zusammenbringen. Davon profitieren nicht zuletzt die Kinder selbst: Sie merken, dass man auch anders sein kann und bekommen vielleicht Lust, auszuprobieren, wie es ist, einmal nicht die eigenen Bewegungen zu machen, sondern jemand anderes Bewegungen zu wagen.

Laura Strack: Wie würdest du deine Rolle als Tanzpädagogin im Leben der Heranwachsenden beschreiben?

Michaela Koenen-Welles: Grundsätzlich sehe ich mich als Begleiterin. Ich begleite die Kinder in ihrem Tanzprozess. In einer möglichst prozessorientierten Arbeit möchte ich ihnen die Chance geben, sich zu entfalten und eine Persönlichkeit, stark zu werden.

Laura Strack: Das ist also, was tanzpädagogische Arbeit mit Kindern im besten Fall erreichen kann?

Michaela Koenen-Welles: Ja, das finde ich ganz großartig. Ich hatte einen Jungen bei mir, der sehr schüchtern war und sich im Alltag sehr wenig getraut hat. Beim Tanzen ging das - er hatte sogar einige Erfolgserlebnisse. Man konnte das richtig in der Art sehen, wie er sich bewegt hat. Irgendwann ist er dann gekommen und verkündete, dass er nun in den Fußballverein gehe. Ich dachte: „Super!“ Super, denn jetzt traute er sich. Er hatte sich nie getraut, mit den anderen Jungs zu kicken. Das war ein guter Erfolg: Er hatte sich innerlich gestärkt.

Laura Strack: Sind Kinder gute Tänzer_innen?

Michaela Koenen-Welles: Naja, wie definiert man schon „gute Tänzer_innen“? Aber ich glaube, dass Kinder da schon so etwas im Blut haben. Wenn man sie lässt und als Erwachsener nicht wertet, ihnen also nicht vorgibt, was gut und was schlecht ist, dann sind sie auf jeden Fall gute Tänzer_innen. Aber eigentlich bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch ein_e gute_r Tänzer_in ist. Es ist allerdings immer wieder faszinierend zu sehen, wie beeinflusst Kinder von Elternseite her im Bezug auf das Tanzen sind. Teilweise kommen sie schon mit ganz bestimmten Vorstellungen zum Unterricht, was Tanz denn nun eigentlich ist. Das erschreckt mich manchmal ein bisschen. Das Intuitive muss ich erst einmal wieder herauskramen. Diese starke Prägung geht oft vom Elternhaus aus, glaube ich. Einmal habe ich etwas Erschreckendes erlebt, als ich im Kindergarten Kindertanz für Jungen und Mädchen angeboten habe. Eine Mutter sprach mich an und sagte: „Ich kann doch meinen Sohn nicht zu dir schicken - dann wird er doch schwul!“ Das gibt es noch! Dann merke ich: Da muss noch etwas passieren. Klar: Jungs kommen selten zum Tanz. Aber manchmal auch, weil sie nicht gelassen werden. Das ist so schade!

Laura Strack: Dann ist die Tanzstunde also für Kinder auch ein Ort oder eine Zeit, in der sie die Welt außerhalb ihres Elternhauses erleben können, in der sie außerhalb des Erwachsenenkosmos noch einmal Ressourcen mobilisieren können, die in ihrer eigenen Erziehung eher weggeschlossen oder übersehen werden.

Michaela Koenen-Welles: Genau. Wenn ich zum Beispiel mit Improvisation beginne - und kreativer Tanz ist für mich immer auch Improvisation -, dann kommt oft die Frage: „Wann tanzen wir denn jetzt?“ Wenn ich Pliés übe, ist alles gut, schließlich „tanzen“ wir dann. Dabei gehört diese technische Arbeit für mich eigentlich gar nicht unmittelbar zum Tanzen. Es handelt sich um eine Körperarbeit, um eine Art, den eigenen Körper zu formen. Das ist auch wichtig, aber eben nicht alles.

Laura Strack: Mit welchen Methoden oder Materialien arbeitest du besonders gerne?

Michaela Koenen-Welles: Erst einmal mit dem Körper, klar! Natürlich ist das aber auch von der Altersstufe der Kinder abhängig. Bei den ganz Kleinen ist es super, Material zu verwenden: Tücher, Kartons, Papier, Bälle... Dinge, die ihnen helfen, Bilder, Vorstellungen und ein Gefühl für Bewegung zu entwickeln. Ich versuche, viel mit Bildern zu arbeiten. Es gibt Bilder, zu denen Kinder einen besonders leichten Zugang haben, Sonnenstrahlen zum Beispiel. Wenn ich ein Tanzstück entwickele, gebe ich den einzelnen Szenen Namen, damit die Kinder eine Anbindung an sie haben. Eine Szene heißt zum Beispiel "Sonnenschlange", da wissen alle sofort, was gemeint ist: Wir sind alle ganz viele strahlende Sonnen und bewegen uns in einer Schlange durch den ganzen Raum. Es ist mir außerdem sehr wichtig, den ganzen Raum zu nutzen. Das kennst du sicherlich auch: Wenn man als Gruppe in einen Raum kommt, bewegen sich erst einmal alle im Kreis. Ich versuche also immer wieder, daraus auszubrechen, den Raum anders zu nutzen, anders zu strukturieren.

Laura Strack: Was erwartet ein Kind bei seiner ersten Tanzstunde?

Michaela Koenen-Welles: Ganz wichtig ist mir, dass es ganz viel Spaß macht. Gerade bei der ersten Stunde: Da bin ich ganz pingelig, was meine Musikauswahl angeht. Es soll ganz viel Dynamik und Action im Raum geben. Klar - auch ein paar ruhige Momente in der Gruppe, aber vor allem ganz viel Raumbewegung. Manchmal, je nachdem, wie alt die Teilnehmenden sind, biete ich auch Partnerübungen an. Das hängt natürlich auch davon ab, ob die Kinder sich untereinander schon kennen.

Laura Strack: Gibt es eine besonders schöne Anekdote?

Michaela Koenen-Welles: Eine Geschichte: Ich wurde einmal interviewt für einen kleinen Film. Die Kinder auch - separat von mir, aber mit fast den gleichen Fragen. Ich habe die Fragen dann unabhängig von ihnen beantwortet. Im Anschluss sagte der Interviewer zu mir: „Ach, wie lustig, die Kinder haben genau das Gleiche gesagt wie du.“ Das war für mich sehr anrührend - ich hatte das Gefühl, mein Ziel erreicht zu haben.

Laura Strack: Lernst du auch von den Kindern?

Michaela Koenen-Welles: Ja, ganz viel. Ganz viel. Die, die mich schon länger kennen, sagen manchmal sogar, wenn ich mich verhaspelt oder mich falsch ausgedrückt habe: „Ach ja, Michaela, wir wissen doch, wie du das meinst.“ Sie geben mir da richtig Sicherheit. Und Kinder sind manchmal so unkompliziert. Dieses Unkomplizierte, diese Kunst, alles einmal ein bisschen leichter zu  nehmen, möchte ich mir oft abgucken. Dann sage ich mir: „Jetzt gehe ich einmal nicht mit so viel Stress und sAnspannung daran, sondern atme aus und denke mir: Wir machen das schon und es ist gut so. Ausatmen und ... klappt schon!“


ERFAHRUNGEN IN DER TANZIMPROVISATION
- Tanztechnik und Praxis der wachen Körperwahrnehmung

08.12.2013, von Laura Strack

Unter meinen Füßen spüre ich den Boden. Ich drücke meine Zehen in die Erde, verlagere das Gewicht und setze an zum Schritt. An den dünnen Härchen auf den Unterarmen fühle ich...

... wie der Wind meine Haut streichelt. Ich hebe meine Arme, wie Flügel, und lasse sie dem Lufthauch folgen. In meinem Rücken, unterhalb des Nackens, spüre ich einen Blick. Ich ziehe die Schulterblätter zusammen, neige den Kopf zur Seite und beginne, mich zu drehen.

Die vielen Stimmen um ihn herum bringen auch seine Saiten zum Schwingen. Unzählige Bewegungen, die ihn umgeben, locken, rufen, verändern ihn. Die Anderen regen ihn an, inspirieren ihn, fordern ihn heraus, zerren an ihm:
Mein Körper ist ein Teil der Welt, durch ihn trete ich mit ihr in Kontakt, durch ihn existiere und bin ich -  im Austausch mit ihr. Ich bewege mich und werde bewegt, oder: ich bewege mich, weil ich bewegt werde.

Aus dieser Erfahrung meines Körpers als vielseitig bezüglichem Ort des Seins entsteht der Tanz. Dieser Tanz ist frei, improvisiert, spontan – und dennoch nicht willkürlich. Er ist mein eigen und dennoch kommt er von außen. Er traut sich, „ich“ zu sagen und lebt dennoch vom Kontakt mit den Anderen. Er ist die Aufgabe, die meine Umgebung an mich stellt und die Gabe, die ich ihr mache.

In der Tanzimprovisation werden Techniken erprobt und entwickelt, diese Bewegung zur Entfaltung zu bringen, den eigenen Körper zu erfahren und ihn bewusst in Bezug zu setzen zu seiner Umgebung, die ihn immer schon prägt und bedingt.

Wer Tanzimprovisation lernt, praktiziert und reflektiert, entwickelt eine breite Wahrnehmungsfähigkeit für persönliche, soziale und künstlerische Regungen und Bewegungen. Geräusche, Töne, Worte, Ideen und Bilder können ebenso in der Tanzimprovisation aufgenommen und fruchtbar gemacht werden wie persönliche Ressourcen, zwischenmenschliche Erfahrungen und gemeinschaftliche Prozesse. Die Tanzimprovisation wird somit zur Praxis der wachen Wahrnehmung, der vielseitig interessierten Achtsamkeit, die ein Gespür nach innen ebenso wie eine Neugierde für das Außen entwickelt und pflegt.

Aus dieser authentischen Erfahrung lassen sich vielseitige künstlerische, pädagogische, mitunter  heilende Potenziale schöpfen. In diesem Sinne bildet die Tanzimprovisation auch einen Schwerpunkt für die Ausbildung zur Tanzpädagogin. Die Tanzpädagogin entdeckt den Erfahrungsschatz des improvisierenden Tanzkörpers für sich und nutzt die von ihm erprobten Körpertechniken, Wahrnehmungsfähigkeiten und kreativen Kräfte als berufliches Handwerkszeug.