"UND WAS IST MIT DIR?" Erfahrungsbericht  zur Aus- und Fortbildung Grundlagen der Tanzpädagogik

01.02.2016, von Barbara d´Hone - Diaz

Als Teilnehmerinnen eines Improvisationstanzkurses im Tanzzentrum hatten meine Tochter und ich dort von der Aus- und Fortbildung „Grundlagen der Tanzpädagogik“ erfahren.
Vor einem Jahr weilte meine Tochter dann für einige Monate im Ausland und plante, direkt nach ihrer Rückkehr, in die im Frühjahr 2015 startenden GTP einzusteigen.

Als ich vorab Einzelheiten für sie klären wollte, blickte mich unsere wunderbare Zentrumsleiterin, Gabriela Jüttner, mit einem wissendem Lächeln an und stellte mir eine folgenschwere Frage: “Und was ist mit Dir?“

Und da war es geschehen! ...

.Sie hatte einen bis dahin noch  geheimen, in meinem tiefsten Inneren verborgenen Gedanken ausgesprochen und damit  einen Stein ins Rollen gebracht. Einen Stein, der sich unaufhaltsam seinen Weg suchte.
Seinen Weg mitten hinein in das unglaublich vielseitige und bereichernde  Tanzvergnügen, welches die Grundlagenfortbildung bereithielt!

Ich holte mir zunächst den Segen meiner Tochter, denn es ist ja nicht selbstverständlich, dass eine erwachsene junge Frau mit „Mama“ zusammen einen solchen Kurs besuchen möchte . Meine Tochter fand die Vorstellung Gott sei Dank nicht abschreckend, sondern ganz nett. Und so meldeten wir uns beide an.
Dann ging es auch schon los: Eine bunt gemischte, sehr sympathische Gruppe, die aus vierzehn Frauen und zwei Männern bestand, startete im April in das Tanzabenteuer „GTP“. Die Teilnehmer/innen waren  20 bis ca. 60 Jahre alt und ebenso wie das Alter variierten auch die Motive und die Erwartungen an den Kurs.

Einige suchten für ihre eigene Weiterentwicklung Impulse und Erfahrungen, andere erwarteten pädagogische und tänzerische Anleitung, um selbst später Tanz- oder Bewegungsunterricht zu erteilen.
Egal welche Erwartungen jede/r zu Beginn hatte, sie wurden nach meinem Ermessen alle erfüllt und sicher bei Vielen auch übertroffen.

Für mich war die persönliche Weiterentwicklung das primäre Motiv. Da ich gerne mit Kindern spiele und tanze, und in dieser Richtung auch schon Erfahrung besaß, interessierten mich auch das Kennenlernen verschiedener Anleitungsmethoden und der Aufbau eines guten Unterrichts. Davon habe wir von Marion Kortenkamp, unserer Dozentin, eine Menge gelernt.

Darüberhinaus erhielten wir Kursteilnehmer/innen Einblicke in die unterschiedlichsten Tanzstile des zeitgenössischen Tanzes, erlernten Bewegungsabfolgen aus dem Modern und New Dance, improvisierten miteinander, wurden durch die regelmäßige Körperarbeit nach und nach flexibel entspannt.
Wir haben sehr viel Energie getankt, unsere Körperwahrnehmung verfeinert und unseren Kinestätischen Sinn trainiert; haben zueinander und in unsere Fähigkeiten Vertrauen  aufgebaut und noch so vieles mehr...

Wenn ich jetzt zurückdenke, ist das Jahr wie im Fluge vergangen. Wie schnell hat die Gruppe zusammengefunden! Wie schnell ist eine Vertrautheit entstanden, durch die eine so intensive Arbeit möglich wurde! Manchmal waren 16 einzelne begeisterte Tänzer/innen im Raum zu sehen, aber häufig waren auch Tanzkörper entstanden, die aus einer kleinen Gruppen oder allen gemeinsam bestanden.

Highlights der Ausbildung waren für mich  die „Outdoor-Aktionen“ der Fortbildung. „Performances im öffentlichen Raum“ lautete das Thema der Sommerblockwoche.
Wir spazierten mit unseren Ausbilderinnen Gabriela Jüttner und Michaela Koenen-Welles uns in die Fußgängerzone in Bochum-Gerthe , wo wir im öffentlichen Raum mit einem skulpturalen Trinkbrunnen oder einem bestrickten Baum tanzimprovisierten. Welch ein Spaß – auch zur großen Freude des Eiskaffeebesitzers, der mit seinem Team begeistert zuschaute.

Unsere Gruppe war zu diesem Zeitpunkt bereits so gut zusammengewachsen, dass alle diese Performance  als umwerfende, wunderbare Erfahrung empfanden. Niemand genierte sich, alle waren wie selbstverständlich tänzerisch in ihrem Element.  Ein weiteres „Outdoor-Event“, bei welchem wir unseren  längst lieb gewonnenen Tanzraum verließen, war der Besuch des Skulpturenparks in Herne.

Dort haben wir in Gruppen jeweils eine Skulptur tänzerisch erforscht und uns gegenseitig nach einer Phase des Improvisierens die entstandenen Tanzstücke präsentiert.
Die Ergebnisse waren sehr beeindruckend und haben uns alle mit Ehrfurcht und  Stolz erfüllt. Obwohl diese beiden  Tanzerlebnisse wirklich einen besonderen Stellenwert für mich haben, ist der Unterricht im Tanzzentrum natürlich die Basis, damit sich solche Performances überhaupt entfalten konnten.

Der kompetente, einfühlsame und stets auf die Gruppe und die aktuelle Befindlichkeit der Teilnehmer/innen zugeschnittene Unterricht hat für mich jedes einzelne der Unterrichtswochenenden zu einer unvergesslichen Erfahrung gemacht.

Natürlich gab es für mich auch Situationen, die mir meine Grenzen bewusst gemacht haben. Bewegungsabfolgen zu speichern und zu erinnern fiel mir nicht immer leicht und ich hatte so manches Mal das Gefühl, ein „Brett vor dem Kopf“ zu haben. Zu meinem Glück  hatte Marion Kortenkamp, die hauptsächlich für unseren Unterricht verantwortliche Dozentin, immer das passende „Werkzeug“ dabei, um dieses Brett behutsam von meinem Kopf zu entfernen.
So endeten diese Situationen irgendwann dann doch immer in einem erleichterten Lernerfolg.

Für mich ist es unvorstellbar, dass nun schon fast alles vorbei ist. Ich werde natürlich weiterhin im Tanzzentrum tanzen, spüre aber jetzt schon - kurz vor dem letzten Unterrichtswochenende- wie „er“ sich  unaufhaltsam aufbaut: Der Abschiedsschmerz!
All die lieb gewonnenen Tänzer/innen unseres Kurses werden mir sehr fehlen! Jetzt, kurz vor Ende des Kurses, bin ich prall gefüllt mit Dankbarkeit! Dankbarkeit für alles Erlernte und Erlebte, für die vielen Impulse, die mich nicht nur beim Tanzen, sondern in allen Lebensbereichen weiterhin positiv beeinflussen werden.

Mein Fazit: Jeder Mensch mit Freude am Tanz darf sich diese Erfahrung gönnen!

.

FREE MOVEMENT EXPRESSION –awareness in silence and dance

10.01.2016, von Antje Röckemann

The Method of “Creativ Dance”, pausing and awareness in “Haus Villigst” (Schwerte/Germany)

A dance weekend during the 4th Advent before the relative stressful Christmas days - a brilliant idea. That is what I thought and 15 other dance enthusiasts as well, so we had the maximum number of participants.
In “Haus Villigst” we had a large space to move fast and ...

... slowly, powerfully and cautiously, alone and together. Now, a few weeks later, I remember most of all the many breaks, the creative pauses, the stops, the repeated sensing of what is now. Gabriela motivated us to ask ourselves with our whole body, our whole being: Where am I in this moment? Where do I stand, and how, in which position? How is my contact with the ground, with the space, with the other dancers? How do I feel, how do I breathe?
These pausing moments gave creative impulses for new movements in dance. Often this was experienced in dialogue, in the interplay between two or more dancers. One person danced, a second dancer watched with the whole body. The energy of the first dancer than was felt and taken up and expressed in one’s own personal manner and pursued.
Most of this happened without music, which we realized very often only afterwards.
The music was not missed, rather the “missing” music gave the frame to express one’s very own in the dance. And this was done, as Gabriela promised in her advertising, without any pressure to be especially creative.
Nonetheless, I myself realized, that the creative pauses and the “missing” music supported me in finding my own and new forms in movement. And both these elements, Gabriela explained, are typically for the work of Barbara Mettler.
And typically for Gabriela was the way how she combined dance teaching with meditative and awareness exercises, very suitably for the advent season.
We moved from dancing to these longer meditative breaks – lying or sitting – and used this experience to come again into dance.
The resting periods of the house (siesta time) fitted in wonderfully.

After three days we danced home very relaxed – and hope for a follow-up.
TAUSEND TANZENDE SONNEN

10.01.2014, von Laura Strack

Die Kindertanzpädagogin Michaela Koenen-Welles im Gespräch mit Laura Strack
Laura Strack: Michaela, inwiefern ist das Tanzen mit Kindern wie Du sagst, eine der schwierigsten Herausforderung der tanzpädagogischen Arbeit?

Michaela Koenen-Welles: Kinder sind sehr spontan in ihren Reaktionen. Wenn sie etwas doof finden, sagen sie das auch oder machen einfach nicht mit. Man muss unglaublich spontan und schnell reagieren, sich sehr schnell auf neue Situationen einstellen können. Kinder haben viel unmittelbarere Reaktionen als Erwachsene...

Manchmal kommen sie herein und sagen: „Heute möchte ich das und das und das und das machen.“ Und dann muss ich überlegen: „Lasse ich mich darauf jetzt ein?“ Wenn ja, muss ich ja sehr schnell reagieren und außerdem eine entsprechende Umsetzung parat haben.

Laura Strack: Das heißt, für die tanzpädagogische Arbeit mit Kindern braucht man einerseits Flexibilität und andererseits eine gewisse Großzügigkeit, die eigenen Pläne und Ideen auch einmal nach hinten stellen zu können...

Michaela Koenen-Welles: Ja. Aber man muss natürlich auch aufpassen. Für mich ist es ebenso wichtig, mich nicht immer darauf einzulassen. Sonst bestimme am Ende nicht mehr ich den Unterricht, sondern die Kinder. Das ist auch nicht richtig. Deswegen versuche ich stets, mir die Kinder im Einzelnen sehr genau anzugucken. Sie sind so unterschiedlich. In noch viel stärkerem Maße als Erwachsene tragen sie ihre eigene Persönlichkeit vor sich her. Für mich stellt sich immer die Frage: Wie packe ich alle zusammen? Wie finde ich etwas, das alle begeistert: jene, die eher feine, sanfte Sachen machen möchten, ebenso wie jene, die lieber explosive Dinge tun. Alle sollen zu ihrem Recht kommen. Ich muss versuchen, alle Kinder mit ins Boot zu holen, denn ich möchte keines von ihnen verlieren. Ich möchte die unterschiedlichen Individualitäten zusammenbringen. Davon profitieren nicht zuletzt die Kinder selbst: Sie merken, dass man auch anders sein kann und bekommen vielleicht Lust, auszuprobieren, wie es ist, einmal nicht die eigenen Bewegungen zu machen, sondern jemand anderes Bewegungen zu wagen.

Laura Strack: Wie würdest du deine Rolle als Tanzpädagogin im Leben der Heranwachsenden beschreiben?

Michaela Koenen-Welles: Grundsätzlich sehe ich mich als Begleiterin. Ich begleite die Kinder in ihrem Tanzprozess. In einer möglichst prozessorientierten Arbeit möchte ich ihnen die Chance geben, sich zu entfalten und eine Persönlichkeit, stark zu werden.

Laura Strack: Das ist also, was tanzpädagogische Arbeit mit Kindern im besten Fall erreichen kann?

Michaela Koenen-Welles: Ja, das finde ich ganz großartig. Ich hatte einen Jungen bei mir, der sehr schüchtern war und sich im Alltag sehr wenig getraut hat. Beim Tanzen ging das - er hatte sogar einige Erfolgserlebnisse. Man konnte das richtig in der Art sehen, wie er sich bewegt hat. Irgendwann ist er dann gekommen und verkündete, dass er nun in den Fußballverein gehe. Ich dachte: „Super!“ Super, denn jetzt traute er sich. Er hatte sich nie getraut, mit den anderen Jungs zu kicken. Das war ein guter Erfolg: Er hatte sich innerlich gestärkt.

Laura Strack: Sind Kinder gute Tänzer_innen?

Michaela Koenen-Welles: Naja, wie definiert man schon „gute Tänzer_innen“? Aber ich glaube, dass Kinder da schon so etwas im Blut haben. Wenn man sie lässt und als Erwachsener nicht wertet, ihnen also nicht vorgibt, was gut und was schlecht ist, dann sind sie auf jeden Fall gute Tänzer_innen. Aber eigentlich bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch ein_e gute_r Tänzer_in ist. Es ist allerdings immer wieder faszinierend zu sehen, wie beeinflusst Kinder von Elternseite her im Bezug auf das Tanzen sind. Teilweise kommen sie schon mit ganz bestimmten Vorstellungen zum Unterricht, was Tanz denn nun eigentlich ist. Das erschreckt mich manchmal ein bisschen. Das Intuitive muss ich erst einmal wieder herauskramen. Diese starke Prägung geht oft vom Elternhaus aus, glaube ich. Einmal habe ich etwas Erschreckendes erlebt, als ich im Kindergarten Kindertanz für Jungen und Mädchen angeboten habe. Eine Mutter sprach mich an und sagte: „Ich kann doch meinen Sohn nicht zu dir schicken - dann wird er doch schwul!“ Das gibt es noch! Dann merke ich: Da muss noch etwas passieren. Klar: Jungs kommen selten zum Tanz. Aber manchmal auch, weil sie nicht gelassen werden. Das ist so schade!

Laura Strack: Dann ist die Tanzstunde also für Kinder auch ein Ort oder eine Zeit, in der sie die Welt außerhalb ihres Elternhauses erleben können, in der sie außerhalb des Erwachsenenkosmos noch einmal Ressourcen mobilisieren können, die in ihrer eigenen Erziehung eher weggeschlossen oder übersehen werden.

Michaela Koenen-Welles: Genau. Wenn ich zum Beispiel mit Improvisation beginne - und kreativer Tanz ist für mich immer auch Improvisation -, dann kommt oft die Frage: „Wann tanzen wir denn jetzt?“ Wenn ich Pliés übe, ist alles gut, schließlich „tanzen“ wir dann. Dabei gehört diese technische Arbeit für mich eigentlich gar nicht unmittelbar zum Tanzen. Es handelt sich um eine Körperarbeit, um eine Art, den eigenen Körper zu formen. Das ist auch wichtig, aber eben nicht alles.

Laura Strack: Mit welchen Methoden oder Materialien arbeitest du besonders gerne?

Michaela Koenen-Welles: Erst einmal mit dem Körper, klar! Natürlich ist das aber auch von der Altersstufe der Kinder abhängig. Bei den ganz Kleinen ist es super, Material zu verwenden: Tücher, Kartons, Papier, Bälle... Dinge, die ihnen helfen, Bilder, Vorstellungen und ein Gefühl für Bewegung zu entwickeln. Ich versuche, viel mit Bildern zu arbeiten. Es gibt Bilder, zu denen Kinder einen besonders leichten Zugang haben, Sonnenstrahlen zum Beispiel. Wenn ich ein Tanzstück entwickele, gebe ich den einzelnen Szenen Namen, damit die Kinder eine Anbindung an sie haben. Eine Szene heißt zum Beispiel "Sonnenschlange", da wissen alle sofort, was gemeint ist: Wir sind alle ganz viele strahlende Sonnen und bewegen uns in einer Schlange durch den ganzen Raum. Es ist mir außerdem sehr wichtig, den ganzen Raum zu nutzen. Das kennst du sicherlich auch: Wenn man als Gruppe in einen Raum kommt, bewegen sich erst einmal alle im Kreis. Ich versuche also immer wieder, daraus auszubrechen, den Raum anders zu nutzen, anders zu strukturieren.

Laura Strack: Was erwartet ein Kind bei seiner ersten Tanzstunde?

Michaela Koenen-Welles: Ganz wichtig ist mir, dass es ganz viel Spaß macht. Gerade bei der ersten Stunde: Da bin ich ganz pingelig, was meine Musikauswahl angeht. Es soll ganz viel Dynamik und Action im Raum geben. Klar - auch ein paar ruhige Momente in der Gruppe, aber vor allem ganz viel Raumbewegung. Manchmal, je nachdem, wie alt die Teilnehmenden sind, biete ich auch Partnerübungen an. Das hängt natürlich auch davon ab, ob die Kinder sich untereinander schon kennen.

Laura Strack: Gibt es eine besonders schöne Anekdote?

Michaela Koenen-Welles: Eine Geschichte: Ich wurde einmal interviewt für einen kleinen Film. Die Kinder auch - separat von mir, aber mit fast den gleichen Fragen. Ich habe die Fragen dann unabhängig von ihnen beantwortet. Im Anschluss sagte der Interviewer zu mir: „Ach, wie lustig, die Kinder haben genau das Gleiche gesagt wie du.“ Das war für mich sehr anrührend - ich hatte das Gefühl, mein Ziel erreicht zu haben.

Laura Strack: Lernst du auch von den Kindern?

Michaela Koenen-Welles: Ja, ganz viel. Ganz viel. Die, die mich schon länger kennen, sagen manchmal sogar, wenn ich mich verhaspelt oder mich falsch ausgedrückt habe: „Ach ja, Michaela, wir wissen doch, wie du das meinst.“ Sie geben mir da richtig Sicherheit. Und Kinder sind manchmal so unkompliziert. Dieses Unkomplizierte, diese Kunst, alles einmal ein bisschen leichter zu  nehmen, möchte ich mir oft abgucken. Dann sage ich mir: „Jetzt gehe ich einmal nicht mit so viel Stress und sAnspannung daran, sondern atme aus und denke mir: Wir machen das schon und es ist gut so. Ausatmen und ... klappt schon!“

ERFAHRUNGEN IN DER TANZIMPROVISATION
- Tanztechnik und Praxis der wachen Körperwahrnehmung

08.12.2013, von Laura Strack

Unter meinen Füßen spüre ich den Boden. Ich drücke meine Zehen in die Erde, verlagere das Gewicht und setze an zum Schritt. An den dünnen Härchen auf den Unterarmen fühle ich...

... wie der Wind meine Haut streichelt. Ich hebe meine Arme, wie Flügel, und lasse sie dem Lufthauch folgen. In meinem Rücken, unterhalb des Nackens, spüre ich einen Blick. Ich ziehe die Schulterblätter zusammen, neige den Kopf zur Seite und beginne, mich zu drehen.

Die vielen Stimmen um ihn herum bringen auch seine Saiten zum Schwingen. Unzählige Bewegungen, die ihn umgeben, locken, rufen, verändern ihn. Die Anderen regen ihn an, inspirieren ihn, fordern ihn heraus, zerren an ihm:
Mein Körper ist ein Teil der Welt, durch ihn trete ich mit ihr in Kontakt, durch ihn existiere und bin ich -  im Austausch mit ihr. Ich bewege mich und werde bewegt, oder: ich bewege mich, weil ich bewegt werde.

Aus dieser Erfahrung meines Körpers als vielseitig bezüglichem Ort des Seins entsteht der Tanz. Dieser Tanz ist frei, improvisiert, spontan – und dennoch nicht willkürlich. Er ist mein eigen und dennoch kommt er von außen. Er traut sich, „ich“ zu sagen und lebt dennoch vom Kontakt mit den Anderen. Er ist die Aufgabe, die meine Umgebung an mich stellt und die Gabe, die ich ihr mache.

In der Tanzimprovisation werden Techniken erprobt und entwickelt, diese Bewegung zur Entfaltung zu bringen, den eigenen Körper zu erfahren und ihn bewusst in Bezug zu setzen zu seiner Umgebung, die ihn immer schon prägt und bedingt.

Wer Tanzimprovisation lernt, praktiziert und reflektiert, entwickelt eine breite Wahrnehmungsfähigkeit für persönliche, soziale und künstlerische Regungen und Bewegungen. Geräusche, Töne, Worte, Ideen und Bilder können ebenso in der Tanzimprovisation aufgenommen und fruchtbar gemacht werden wie persönliche Ressourcen, zwischenmenschliche Erfahrungen und gemeinschaftliche Prozesse. Die Tanzimprovisation wird somit zur Praxis der wachen Wahrnehmung, der vielseitig interessierten Achtsamkeit, die ein Gespür nach innen ebenso wie eine Neugierde für das Außen entwickelt und pflegt.

Aus dieser authentischen Erfahrung lassen sich vielseitige künstlerische, pädagogische, mitunter  heilende Potenziale schöpfen. In diesem Sinne bildet die Tanzimprovisation auch einen Schwerpunkt für die Ausbildung zur Tanzpädagogin. Die Tanzpädagogin entdeckt den Erfahrungsschatz des improvisierenden Tanzkörpers für sich und nutzt die von ihm erprobten Körpertechniken, Wahrnehmungsfähigkeiten und kreativen Kräfte als berufliches Handwerkszeug.